Antwort an den Petitionssauschuss

Sehr geehrte Frau Hohmann,
sehr geehrte Mitglieder des Petitionsausschusses im Landtag von Sachsen-Anhalt,

vielen Dank für die erneute Gelegenheit zur Rückmeldung. Auf die Stellungnahme der Landesregierung möchten wir im Folgenden eingehen.

  1. Zur Situation an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Anders als in der Stellungnahme der Landesregierung geschildert, wurde die “Partielle Fortschreibung des Hochschulentwicklungsplanes” als weitreichender Plan des Rektorates zur Neustrukturierung der MLU angelegt und (leider) aufgrund des hohen Kürzungsdruckes durch die strukturelle Unterfinanzierung vom Akademischen Senat auf seiner Sitzung vom 6. April 2022 angenommen. Dabei geht es aber keineswegs (nur) um die Personalentwicklung, sondern um einen Kahlschlag – wer den nun so veränderten Hochschulentwicklungsplan (HEP) liest, wird sehen, wie viele in Sachsen-Anhalt einzigartige Fächer hier abgeschafft werden sollen. Ein weiterer, bereits jetzt beschlossener und für das kommende Wintersemester bereits unumkehrbarer Effekt ist die Senkung der Immatrikulationen. Wir rechnen damit, dass einige hundert Studienanfänger:innen weniger nach Halle kommen werden, was erklärtes Ziel des HEPs ist. Der Wissenschaftsminister hat sich der in der Stellungnahme erwähnten Sitzung des Akademischen Senates vom 16. März explizit nicht dagegen ausgesprochen, sondern – aus unserer Perspektive – dem Rektorat für die Arbeit an der Konsolidierung gedankt. Insbesondere die kleinen Fächer sollten dabei “nicht zu jedem Preis” erhalten werden.

Diese Konsequenz wurde an der MLU bereits in Teilen umgesetzt, ohne die erwähnte Qualitätsdiskussion. So wurden die Studiengänge der Indologie, der Südasienwissenschaft und der Gräzistik bereits aufgehoben, da die dortigen (unbesetzten) Professuren mit einem kW-Vermerk ausgestattet wurden. Obwohl dort herausragende Forschungsleistungen erbracht wurden, die auch bei der Drittmittel-Einwerbung deutlich wurden, sind diese Fächer damit in Sachsen-Anhalt praktisch ausgestorben. Bei anderen Studiengängen sind die Kapazitäten so weit heruntergesetzt worden, dass dort deutlich weniger Studienanfänger:innen zu erwarten sind, so zum Beispiel im Bereich der Politik-, der Wirtschafts- und der Rechtswissenschaften. Das liegt aber keineswegs daran, dass wir weniger Jurist:innen brauchen würden oder die Studiengänge nicht nachgefragt werden. Vielmehr liegt das an den im HEP aufgezeigten Konsequenzen. Die Verkleinerung der MLU findet also real statt, ebenso wie eine Abschaffung vieler kleiner Fächer. Das ist alles im HEP nachzulesen (https://t1p.de/HEP2022MLU) und wird nach unserem Ermessen von der Landesregierung durch ihr Handeln praktisch vorangetrieben.

  1. Die Finanzausstattung der MLU

Es ist richtig, dass es Zielvereinbarungen gibt und dass die Mittelzuweisungen in den letzten Jahren gestiegen sind. Wir möchten allerdings einwenden, dass sie nicht kontinuierlich und nicht ausreichend gestiegen sind. Das zeigt sich auch daran, dass die Mittel für das Studienkolleg im diesjährigen Haushalt bereitgestellt wurden. Hier wird deutlich, dass die MLU in den vergangenen Jahren die Mittel für diese zusätzliche Landesaufgabe stets aus der eigenen Grundfinanzierung tragen musste. Ähnliches gilt für die ULB als Landesbibliothek, die Lehramtsausbildung und viele weitere Aufgaben. Dazu muss man sagen, dass der Inflationsausgleich bei einem Prozent liegt und damit eben nicht die tatsächlich Inflation deckt, geschweige denn die Jahre kompensiert, in denen es weder einen vollen Tarifausgleich noch überhaupt einen Inflationsausgleich gab. Wir haben gemeinsam mit dem “Bündnis für eine gerechte Ko-Finanzierung des Zukunftsvertrags Studium und Lehre stärken in Sachsen-Anhalt” bereits darauf hingewiesen, wie eine Alternative dazu aussehen sollte. Wir wissen, dass die Landesregierung von Sachsen-Anhalt und das Rektorat der Martin-Luther-Universität bereits deutlich unterschiedliche Ansichten zum Haushaltsdefizit an der MLU öffentlich bekundet haben. Unter der realen Situation leiden aber vor allem die Studierenden und Beschäftigten, die weiterhin einem Nothaushalt an der MLU ausgesetzt sind. Aus unserer Perspektive ist es Aufgabe und Verantwortung der Landesregierung, hier eine transparente und öffentliche Aufklärung über das tatsächliche Defizit vorzulegen – denn wenn es das nicht gibt, wieso gibt es dann Stellensperren, globale Minderausgaben und Sachmittelkürzungen an der MLU und wo bleibt die Aufsichtspflicht des Fachministeriums angesichts dieser offenkundigen Missstände?

  1. Schlussfolgerungen

Der von uns befürchtete Kahlschlag an der MLU wird vorangetrieben. Weniger Studienanfänger:innen und das voraussichtliche Ende einiger kleiner Fächer ist im vollen Gange. Allerdings lässt sich das auch kurzfristig Umkehren. Bis jetzt hat keine Qualitätsdiskussion an der MLU stattgefunden und es wird auch keine stattfinden, wenn der Konsolidierungsdruck weiterhin dafür sorgt, dass Studiengänge und Forschungsbereiche nach dem Prinzip des geringstens Widerstandes geschlossen werden und die Zeichen auf Verkleinerung stehen. Es ist aus unserer Perspektive ein Hohn, dabei auf die Hochschulautonomie zu verweisen. Vielmehr sehen wir die Landespolitik in der Pflicht, ein klares Signal zu setzen – sollen kleine Fächer (insbesondere Altertums- und Regionalwissenschaften) eine Zukunft in Sachsen-Anhalt haben? Soll die MLU deutlicher weniger Studierende aufnehmen? Das sind (landes-)politische Fragen, die letztendlich “outgesourced” wurden – an eine Universität, die nicht einmal genug Geld hat, um genug Bücher anzuschaffen oder Kopierpapier bereitzustellen. Wir bitten also um eine inhaltliche Befassung mit dem, was im HEP steht und mit der konkreten Situation vor Ort. Um diese endlich zu verbessern und Sachsen-Anhalt zu stärken, braucht es eine höhere Grundfinanzierung, zum Beispiel mit der Erfüllung des oben genannten Zukunftsvertrags.

Mit freundlichen Grüßen,

das Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert – Perspektiven schaffen!

Rektoratswahl drückt Krise an MLU aus

Die gescheiterte Rektoratswahl vom vergangenen Mittwoch (6. Juli) drückt die Krise an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aus, die in erster Linie eine Krise der mangelnden Finanzierung durch das Land Sachsen-Anhalt ist. Ohne ausreichende Grundfinanzierung und insbesondere ohne die Landesmittel aus dem Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“ sah sich das bestehende Rektorat dazu gezwungen, die vom Wissenschaftsministerium gewünschten Sparvorgaben („Hausaufgaben“) durchzusetzen. Das haben wir auch auf unserer Kundgebung vor der Vorstellung der Kandidat*innen am 4. Juli deutlich gemacht und dass wurde auch bei der gescheiterten Wahl deutlich, die von einem extremen Unmut gegenüber der Kürzungspolitik geprägt war.

Hier sehen wir, dass die vom Rektorat durchgesetzte Kahlschlagspolitik eben nicht gewünscht war und sich insbesondere die Professorenschaft nur aus der Not heraus hinter den „Hochschulentwicklungsplan“ gestellt hat. Als Aktionsbündnis fordern wir deshalb zwei Dinge: Zum einen muss der Akademische Senat den nun notwendigen Neuanfang auch mit einer Rücknahme des Kahlschlags untermauern. Zum anderen muss deutlich werden, dass die Krise an der MLU, das mangelnde Vertrauen in den Gremien und das Scheitern der Rektoratswahl eben Ausdruck der Krise der Unterfinanzierung ist. Es gilt nun, dass möglichst viele Mitglieder und Angehörigen der MLU das deutlich machen und das weitere Wahlverfahren verfolgen – der nächste Versuch soll am 13. Juli ab 13:30 Uhr im Hallischen Saal (Universitätsplatz, über der Tulpe) stattfinden.

Langes Nichts der Wissenschaft

Am 1. Juli fand die traditionelle Lange Nacht der Wissenschaften statt. Während die MLU sich an diesem Tag aber stets inszeniert und zeigen will, wie gut die Situation doch ist, ist es sie es in Wirklichkeit überhaupt nicht. Klar: Forscher*innen und Dozent*innen zeigen bei der LNdW die Spitzenleistungen, die sie auch im Alltag bringen und das ist mehr als respektabel. Aber währenddessen unterhöhlen Rektorat und Land das Fundament dieser Leistung: Die Stelle für Mitarbeiter*innen, die Studienplätze und die Lehrstühle. Auf diesen Widerspruch wollten wir mit unserer Transparent-Aktion hinweisen, die von ver.di und der GEW unterstützt wurde. Um Spitzenleistungen zu halten und für die Bevölkerung wirksam zu sein, muss die Unterfinanzierung der Hochschulen beendet werden. Um dafür ein Zeichen zu setzen, rufen wir am Montag, dem 4. Juli, auch erneut zu Protesten auf.

Protest: Neues Rektorat? Nur ohne Kahlschlag!

Protestkundgebung: Neues Rektorat? Nur ohne Kahlschlag!

Datum: 4. Juli / Zeit: ab 17 Uhr / Ort: Universitätsplatz Halle (Saale)

Aufruf des Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert – Perspektiven schaffen!

Am 4. Juli wollen sich die Kandidierenden für das Rektorat vorstellen. Wir sind der Meinung, dass die neue Amtszeit nicht einfach nur so anfangen kann – vielmehr brauchen die Beschäftigten und Studierenden an der MLU sowie insbesondere die Vertreter:innen der kleinen Fächer ein Ende der Kahlschlagspolitik, die vom alten Rektorat im Zusammenspiel mit der Landesregierung von Sachsen-Anhalt durchgesetzt wurde. Ein neues Rektorat kann deshalb nur unsere Unterstützung finden, wenn es …

1.) das als Hochschulentwicklungsplan getarnte Kahlschlagspapier zurücknimmt und die Streichung von Professuren revidiert. Alle Fächer muss erhalten werden. Die Studierendenzahlen sollen nicht aktiv verringert werden.
2.) alle Mitglieder der Universität tatsächlich an ihrer Weiterentwicklung beteiligt. Es muss Schluss damit sein, Fakultäten unterschiedlich zu behandeln und gegeneinander auszuspielen. Wenn wir über Reformen reden, dann ohne Kürzungszwang!
3.) eine klare Haltung gegenüber der Landesregierung einnimmt. Die MLU ist unterfinanziert und wird immer unter einer Kürzungsspirale leiden. Wenn das so weitergeht, könnte dein Fach das nächste sein. Deshalb: Klare Haltung gegenüber dem Land heißt, dass das Rektorat die Unterfinanzierung öffentlich angreifen und ihre Behebung fordern muss – zum Beispiel durch den Einsatz für die Ko-Finanzierung der Mittel aus dem Zukunftsvertrag!

Um das deutlich zu machen und unseren Protest gegenüber der bestehenden Hochschulpolitik auszudrücken, rufen wir als Aktionsbündnis “#MLUnterfinanziert – Perspektiven schaffen!” zum Protest auf. Kommt am 4. Juli ab 17 Uhr auf dem Universitätsplatz und demonstriert mit uns – ab 18 Uhr gehen wir dann gemeinsam zur öffentlichen Befragung der Kandidierenden, die in der Aula des Löwengebäudes stattfindet.

Studentische Vollversammlung

Am 27. Juni hat der StuRa der MLU zur studentischen Vollversammlung eingeladen. Trotz gewisser technischer Schwierigkeiten am Anfang konnte ein starkes Zeichen für die Ausfinanzierung der halleschen Universität gesetzt werden. Auch wir als Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert waren vertreten und haben unsere Perspektive eingebracht: Es geht nicht „nur“ um dieses oder jenes Fach, um diese oder jene Struktur – sondern darum, dass alle paar Jahre eine massive Abbaudiskussion losgebrochen wird, die der Wissenschaft und der Zukunftsfähigkeit schadet. In diesem Sinne hat der Leitantrag der studentischen Vollversammlung völlig zurecht gefordert, dass die Bundesmitte aus dem Zukunftsvertrag endlich kofinanziert werden müssen. Dieser Leitantrag wurde dann auch mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Veranstaltung: Prekäre Arbeitsbedingungen an der MLU

Prekäre Arbeitsbedingungen hängen auch an der skandalösen Unterfinanzierung. Ohne die massive Ausbeutung von Mitarbeiter:innen, wären Lehre und Forschung kaum noch aufrecht zu erhalten. Deswegen fordern wir auch immer: Bessere Grundfinanzierung und bessere Arbeits- und Studienbedingungen, denn das gehört alles untrennbar zusammen. Von daher empfehlen wir gerne folgende Vortragsveranstaltung des FSR Phil Fak 1: t1p.de/sbu36 (Facebook-Veranstaltung)

Offenes Offline-Plenum

Liebe (potentielle) Mitstreiter:innen,
als Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert laden wir alle Interessierten zu unserem offenene Offline-Plenum am 14.06.2022 um 18 Uhr im Studentisch-Selbstverwalteten-Raum (SSR) ein. Ihr findet den SSR auf dem Steintor-Campus. Die Adresse ist: Adam-Kuckhoff-Straße 34a. Wenn ihr euch als am Aktionsbündnis beteiligen wollt, aber noch keine Chance dazu hattet – dieses Treffen ist die Perfekte Gelgenheit um einzusteigen. Wir freuen uns auf euch. Thema sind natürlich die kommenden Protestaktionen, der Stand des Bildungskahlschlags und die Frage, wie wir uns als Aktionsbündnis bei den anstehenden Entscheidungen aufstellen (z.B. Rektoratswahl).
Fragen & Anregungen könnt ihr vorher gerne auch unter mlunterfinanziert@gmx.de loswerden!

Auf die Straße mit Students For Future Halle – für Klima und Wissenschaft!

Als Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert rufen wir dazu auf, sich morgen am Klimastreik zu beteiligen und gemeinsam um 14 Uhr auf den Universitätsplatz zu ziehen. Dort werden wir auch einen Redebeitrag halten und bspw. mit Schildern darauf aufmerksam machen, dass die Uni Halle trotz Klimakatastrophe und Strukturwandel kaputtgespart wird.

Dabei können uns alle Fächer dabei helfen, aus dieser Misere herauszukommen bzw. uns auf die Folgen des Klimawandels besser einzustellen. Historische Kulturwissenschaften zeigen uns, wie Raubbau schon früher zu der Zerstörung von Ökosystemen geführt hat. Soziolog:innen und Psycholog:innen erforschen die Gründe, warum sich trotz der offensichtlichen Gefahr viel zu wenig ändert. Regionalwissenschaften stärken unser Wissen über andere geografische Gebieten, die ganz anders und teilweise viel härter von der Klimakatastrophe betroffen sind – man denke dazu an die gegenwärtige Hitzewelle in Indien und Pakistan.

In den Agrarwissenschaften wird daran geforscht, weniger Schadstoffe zur Lebensmittelproduktion zu nutzen, in den Ernährungswissenschaften geht es auch um die Ernährung der Zukunft. Die Politikwissenschaft hat in Halle einen Schwerpunkt auf die Wasserpolitik gesetzt, also die Erforschung der Verteilung und Regulierung von Wasser – etwas, was nicht aktueller sein könnte, wenn man an den Konflikt um den Nil-Staudamm in Äthiopien oder aber auch an die sommerlichen Wasserrationierungen in Europa denkt.

Kurzum: Auch wenn wir im Social-Media-Team von #mlunterfinanziert schlicht nicht alle diese Fächer studieren können, so haben wir doch festgestellt, dass Wissenschaft gerade wichtig ist, um eine Gesellschaft zukunftsfähig zu gestalten. Die Kürzungen sind auf jeder Ebene falsch – am Freitag wollen wir gemeinsam mit euch und den Demonstrant:innen von Fridays for Future Halle genau das betonen! ✊

Offener Brief für Ko-Finanzierung

E-Mail: buendniskofinanzierung@gmx.de
℅ Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Universitätsplatz 7
06108 Halle (Saale)

An:
Herrn Michael Richter
Minister der Finanzen Sachsen-Anhalt
Die Mitglieder des Finanzausschusses im Landtag von Sachsen-Anhalt
Frau Bettina Stark-Watzinger
Bundesministerin für Bildung und Forschung
Die Mitglieder des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag
Zur Kenntnis an:
Herrn Staatsminister Rainer Robra
Chef der Staatskanzlei
Herrn Prof. Dr. Armin Willingmann
Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt
Frau Eva Feußner
Ministerin für Bildung
SPD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, FDP-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Fraktion DIE LINKE im Landtag von Sachsen-Anhalt, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag von Sachsen-Anhalt

Sehr geehrter Herr Landesfinanzminister Richter,
sehr geehrte Frau Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben Ihnen als Bündnis für eine gerechte Ko-Finanzierung des “Zukunftsvertrages Studium und Lehre stärken” in Sachsen-Anhalt, welches sich aus Gremien der Studierendenschaft und der Beschäftigten, insbesondere den Personal- und Studierendenräten der Hochschulen sowie aus Gewerkschaften zusammensetzt. Die Mitglieder des Bündnisses setzen sich für eine bessere Finanzierung von Bildung und Wissenschaft an allen Hochschulen in Sachsen-Anhalt ein, die den gestiegenen gesellschaftlichen Aufgaben der höheren Bildungseinrichtungen gerecht wird. Es ist seit
mehreren Jahren zu beobachten, welche negativen Auswirkungen eine strukturelle Unterfinanzierung der Hochschulen auf Studierende, Beschäftigte, die Fächerlandschaft und die Qualität in der Lehre hat. Davon betroffen ist aber auch die Forschung und damit die nationale und internationale Reputation der Hochschulen und letztlich eines ganzen Bundeslandes. Über Jahre wurde ein Kahlschlag in Wissenschaft und Forschung nicht nur zugelassen, sondern sogar durch finanziellen Druck forciert. Die Folge davon ist ein wachsendes strukturelles Defizit in den Haushalten der Hochschulen. Dieses
strukturelle Defizit entsteht dabei zusätzlich aus der Differenz zwischen der staatlich garantierten Grundfinanzierung und den tatsächlich übernommenen und vom Land gewollten gesellschaftlichen Aufgaben, die in den letzten zehn Jahren zugenommen haben.

Mit dem Hochschulpakt und seinem dauerhaften Nachfolger, dem „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“, wurde und wird versucht, die Hochschulfinanzierung auf eine stabilere Grundlage zu stellen. Insgesamt sollen bundesweit Milliarden in die Hochschulen fließen. Um die bestehende Finanzierung zu erhalten bzw. zu verbessern, verpflichten sich die Länder in dieser „Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern gemäß Artikel 91b Absatz 1 des Grundgesetzes über den Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ auch dazu, „zusätzliche Mittel mindestens in Höhe der im jeweiligen Jahr erhaltenen Bundesmittel bereitzustellen“. (1) Auch das Land Sachsen-Anhalt hat zugestimmt, kommt dieser Verpflichtung, die wir im Folgenden als „Ko-Finanzierung“ bezeichnen werden, jedoch nicht nach. Dabei geht es um 40 Millionen Euro. (2) 

Selbst die Bundesmittel werden nur mit Abzügen an die Hochschulen weitergereicht. Eine solche Handhabung ist ganz offensichtlich nicht im Sinne des Vertragswerkes und stellt eine Vertragsverletzung gegenüber dem Bund dar. Das hat zuvorderst für die Hochschulen im Land – auch im Vergleich zu und im Wettbewerb mit den Hochschulen anderer Bundesländer – fatale Folgen. Innovatives Denken und das Ausprobieren neuer Ideen, kritische Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse, das Anstoßen öffentlicher Debatten und eine qualitativ hochwertige akademische Bildung sind notwendige Voraussetzungen für eine zukunftsfähige und demokratische Gesellschaft. Dabei handelt es sich um öffentliche Aufgaben, die auch aus der öffentlichen Hand – und zwar auskömmlich, mindestens aber in vertraglich zugesicherter Höhe – finanziert werden müssen. Darüber hinaus sind die Universitäten und Hochschulen Anziehungspunkte für Firmen mit ihren Investitionen oder Firmengründungen. Daraus resultieren neue Arbeitsplätze auch jenseits des akademischen Bereichs. Nicht zuletzt fördern die Hochschulen den Zuzug junger Menschen in einem von Überalterung bedrohten Bundesland. Die Umsätze, die durch Hochschulstandorte generiert werden, machen das Doppelte der in diese Institutionen investierten Summen aus, was letztendlich wieder dem Landeshaushalt zugute kommt.

Für Sachsen-Anhalt würde die Einhaltung der zugesicherten Ko-Finanzierung bedeuten, die anvisierten 40 Millionen Euro aus dem Bund zukünftig mit einer ebenso großen Summe aus dem Land zu flankieren. Davon würden alle Hochschulen im Land profitieren und Strukturdiskussionen könnten tatsächlich mit Perspektive auf nachhaltige Hochschulentwicklung statt unter einem Sparzwang geführt werden, welcher nicht das wissenschaftliche Profil, sondern ausschließlich möglichst große und möglichst schnell zu kürzende Haushaltsposten in den Blick nimmt. 

Wir erinnern Sie deshalb hiermit eindringlichst an die vom Land eingegangene vertragliche Verpflichtung sowie daran, in den anstehenden Haushaltsverhandlungen den Geist des Zukunftsvertrags ernstzunehmen.

Für Fragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Hauptpersonalrat Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt

Personalrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Personalrat der Hochschule Magdeburg-Stendal

Personalrat der Hochschule Merseburg

Personalrat der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Studierendenrat der Hochschule Anhalt

Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Studierendenrat der Hochschule Magdeburg-Stendal

Sprecher:innenrat der Studierendenrätekonferenz Sachsen-Anhalt

Vollversammlung der Studierendenrätekonferenz Sachsen-Anhalt

DGB Sachsen-Anhalt

ver.di SAT Landesfachbereich C

GEW Sachsen-Anhalt

TV Stud Sachsen-Anhalt

EVG Sachsen-Anhalt

Weitere Unterstützer:innen sind:

Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert – Perspektiven schaffen!
#MLUnterfinanziert – Politikwissenschaft 
Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I der MLU
Fachschaftsrat der Geowissenschaften der MLU
IG Orientwissenschaft der MLU
Geowissenschaftliches Studentisches Erfahrungs- und Interessensnetzwerk (GeStEIN) e.V.
Studentische Kommission zur Verbesserung der Studienbedingungen

Verweise:

(1) https://www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/downloads/files/verwaltungsvereinbarung-zv_studium_und_lehre_staerken.pdf;jsessionid=E9C62A805255F57A76228AA82914EA8C.live471?__blob=publicationFile&v=1

(Link zuletzt abgerufen am 23.03.2022)

(2) https://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/tx_tsarssinclude/ministerium-fur-wirtschaft-wissenschaft-und-digitalisierung_25_03_2021_pressemitteilung_zukunftsvertrag-hochschulen-erhalten-von-2024-an-bis-zu-40-millionen-euro-vom-bund.pdf

(Link zuletzt abgerufen am 23.03.2022)

20.05. / 14 Uhr/ Uniplatz / Fridays For Future & #MLUnterfinanziert

Wenn wir den Klimanwandel konsequent bekämpfen, müssen wir den Strukturwandel entsprechend gestalten: Wir müssen unsere Produktion umstellen und neue Möglichkeiten des Wirtschaftens schaffen. Dafür brauchen wir starke öffentliche Einrichtungen, die Bildung und Wissenschaft fördern, junge Menschen anziehen und uns dabei helfen, mit den Folgen der Klimakatastrophe besser umzugehen bzw. sie einzudämmen. Kurzum: Die Kürzungen an der Uni Halle bedeuten exakt das Gegenteil. Deshalb rufen wir gemeinsam mit Students For Future Halle dazu auf, am 20. Mai um 14 Uhr auf den Universitätsplatz zu kommen! ✊

#mlunterfinanziert#unihalle#fridaysforfuture

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten